Das „O“ ist rund – und manchmal auch ganz schön schwierig auszusprechen. Von „oschauscheich“ bis „Oachkatzlschwoaf“: Heute wird ausprobiert, ausgerutscht und ordentlich die Zunge verknotet. Ohhh Ohhh!
Das „N“ klingt wie von einem anderen Planeten – hat’s aber in sich. Ableiten lässt sich hier nämlich (fast) nix: von Nidei bis någgètzn und nåpfètzn. Hier geht’s ums Wackeln, Wegnicken und um Menschen, die es am Ende gar nicht gibt: neamb.
„M“ wie miad, Marend & Miasl: Heute wird gegähnt, g‘jausnet und g’nuasld {genascht}. Ein Buchstabe zwischen Träumeland, Brettljause, Murmeltier und Mehlspeis. In diesem Sinne: Mmmmmahlzeit.
Das „L“ klingt sanft, kann aber trotzdem ordentlich treffen: vom kurzen „Lunza“ über den „Loamsiada“ bis zur „Laa“. Heute geht’s um Müdigkeit, Menschentypen und alpine Gefahren – liebevoll, langweilig und a a bissl g’fah-Laa {gefährlich}.
Das „K“ im Tiroler Dialekt ist nix für schwache Stimmbänder. Kliam, kredenzen, Kaschtln – und danach an Knedl mit Speck, bei dem jedes „K“ so richtig knallt und „Krawall“ {Lärm} macht. Ein Buchstabe, über den (Nicht-Tiroler) gerne auch Witze machen – und die Tiroler auch drüber lachen können.
Das „J“ kann leise staunen oder laut hinausposaunen: vom Jangga über jessas! bis zum Juchizzer. Heute wird g’jodlt, g’juchezzt und herzlich g’seufzt – ein Buchstabe voller Gefühl, Schmäh und Klang.
Das „I“ im Tiroler Dialekt ist kurz, knackig und manchmal so direkt wie a Lawine. Von iatz bis iiwarè – hier wird nicht lange gefackelt. Und Vorsicht: Innabei inna wird’s richtig heimelig – und jetzt wird‘s iwazeidèg, dass ma endlich losleg’n ...
Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, der Trubel der Feiertage langsam abklingt und eine besondere Stille über die verschneiten Kaiserorte einkehrt, beginnt eine magische Zeit: die Rauhnächte. Seit Jahrhunderten ranken sich Mythen, Rituale und altes Wissen um diese Nächte.