Es gibt Dinge, die mir leichtfallen. Abschalten gehört leider nicht dazu. Meine Gedanken sind stetig unterwegs: bei der nächsten Aufgabe, bei Dingen, die noch erledigt werden müssen, und dann jongliere ich mehrere Problemstellungen gleichzeitig und versuche den Überblick (irgendwie) zu bewahren. Wirklich zur Ruhe zu kommen, ist daher eine Kunst, die ich nicht oft beherrsche. Genau deshalb liebe ich Yoga.
Yoga ist für mich viel mehr als eine Abfolge von Übungen und Verrenkungen, die möglichst instagramfähig in Szene gesetzt werden. Natürlich geht es darum, den Körper zu bewegen, zu dehnen und manchmal auch ein bisschen herauszufordern. Aber mindestens genauso wichtig ist für mich das, was dazwischen passiert: Die bewusste Atmung, der Fokus auf mein Innenleben, das Herunterfahren meiner Gedanken und schlussendlich das Sein im Hier und Jetzt.
Besonders die Abschlussmeditation ist für mich dabei ein wichtiger Teil. Einfach einmal nichts müssen. Nicht an ein schwieriges Gespräch oder die nervige E-Mail des Nachmittags denken und nicht schon überlegen, was morgen auf die Einkaufsliste oder auch auf den Tagesplan kommt. Sondern möglichst genau dort sein, wo ich gerade bin.
Lange Zeit habe ich Yoga vor allem indoor gemacht. In einem ruhigen Raum, angenehmen Räucherstäbchenduft, sanfter Musik und möglichst wenig Ablenkung. Vielleicht hat mich gerade deshalb das Outdoor-Yoga am Goinger Badesee so interessiert. Gemeinsam mit einer Yogalehrerin und einer kleinen Gruppe wollte ich ausprobieren, ob ich auch unter freiem Himmel meine Gedanken so gut zur Ruhe bringen kann. Schließlich tut es gut, die eigene Komfortzone manches mal zu verlassen und etwas Neues auszuprobieren. Gesagt, getan, ab zum See!
Yoga an einem Ort, der Kindheitserinnerungen weckt
Der Goinger Badesee ist für mich kein beliebiger Ort. Mit ihm verbinde ich die Sommer meiner Kindheit. Unbeschwerte Tage, Sonne, Tauchwettstreite, stundenlanges Spielen im Wasser mit meinen Meerjungfrau-Barbiepuppen, Pommes, die nur am See sooo gut schmecken können und ganz viel Zeit draußen. Diesmal war ich allerdings nicht zum Schwimmen hier, sondern mit meiner Yogamatte im Gepäck.
Und plötzlich wurde die Suche nach der Balance gleich auf mehreren Ebenen spannend. Denn draußen gibt es ein paar zusätzliche Faktoren, die man im Yogastudio nicht hat: den Wind, die Sonne, Geräusche rundherum… und natürlich auch andere Menschen. Während unsere Yoga-Truppe ihre Übungen machte, waren einige Badegäste zu interessierten Zuschauer*innen geworden. Zugegeben: Anfangs hat mich das ein wenig eingeschüchtert. Schließlich sehe ich leider nicht bei jeder Übung grazil und elegant aus.
Aber genau darum geht es beim Yoga ja auch: den Fokus wieder zu sich selbst zu holen und sich frei von Anforderungen (ob von außen oder an sich selbst) zu machen. Also tief durchatmen. Den Blick nach innen richten. Und irgendwann waren die Zuschauer*innen, das Treiben rund um unseren Platz am See und alles andere tatsächlich nebensächlich. Stattdessen waren da nur noch dieser wunderschöne Ort, die frische Luft, das Wasser und die Berge im Hintergrund. Und natürlich die eine oder andere Übung, bei der die Balance plötzlich gar nicht mehr so selbstverständlich war.
Balance bedeutet nicht, niemals aus dem Gleichgewicht zu geraten
Vielleicht ist genau das für mich eine der schönsten Erkenntnisse aus dieser Yogaeinheit: Balance bedeutet nicht, dass immer alles perfekt im Gleichgewicht ist. Manchmal reicht schon ein Windstoß und man wackelt. Manchmal bringt einen ein Gedanke aus der Ruhe. Und manchmal braucht es einfach einen tiefen Atemzug, um wieder bei sich anzukommen. Gerade draußen wird das besonders spürbar.
Die Abschlussmeditation war deshalb für mich der schönste Moment. Auf der Matte liegen, die Augen schließen, die Sonne auf der Haut spüren und einfach nur zuhören. Dem Wind, den Vögeln, dem Wasser, der Umgebung. Und auch ein bisschen dem eigenen Innenleben.
Für einen Moment gab es nichts zu erledigen und nichts zu planen. Nur diesen einen Moment. Und ja: Ich werde es wieder machen.
Unser vielfältiges Yogaprogramm bietet Dir vielfältige Möglichkeiten: Drinnen, draußen, mit Blick auf die Berge und immer mit dem Ziel, Körper und Kopf eine kleine Auszeit zu gönnen. Alle Infos findest Du unter Yoga & Entschleunigung
Gebürtig aus Going und heute Presseverantwortliche beim Tourismusverband Wilder Kaiser, hat sie Journalistik, Spanisch und Portugiesisch studiert – geblieben ist sie trotzdem in ihrer Heimat, wo sie zwischen Bergen, Seen und Geschichten genau das findet, was sie wirklich begeistert. Mit einem feinen Gespür für besondere Menschen und Momente entdeckt sie immer wieder neue Facetten der Region – und erzählt sie am liebsten in Worten, die hängen bleiben.
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