Theresa Aigner

von Theresa Aigner

Als gelernte Journalistin freut sich die nunmehrige Presse-Verantwortliche der Region Wilder Kaiser immer, wenn sie einen Beitrag für unseren Blog gestalten darf. Egal ob Bergsport, Kulinarik, Politik oder Kultur – diese Frau hat zu jedem Thema tausend Fragen und stellt sie schon mal in einer Geschwindigkeit, dass ihren GesprächspartnerInnen hören und sehen vergeht. Nur gut, dass Theresa die vielen Gespräche mit interessanten Menschen aus der Region am liebsten schriftlich dokumentiert – und hier genug Platz zum Teilen hat.

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Der Wilde Kaiser Marktplatz

von Theresa Aigner -

Regionale Anbieter*innen im Portrait

Wo, wann und vor allem bei wem kann ich qualitativ hochwertige Produkte aus der Region kaufen? Darüber gibt ab sofort die neue Plattform „Marktplatz Wilder Kaiser“ Auskunft. In diesem Blogbeitrag werden die Anbieter*innen mit ihren Betrieben und innovativen Zugängen laufend portraitiert.

„Regional“ liegt im Trend, das steht außer Frage. Während so manche*r erst durch Corona, Lockdown und eingeschränkten Zugang zum Handel das „Hofladl“ ums Eck so richtig zu schätzen gelernt hat, weiß die Region Wilder Kaiser schon lange, was man an seinen zahlreichen und vielfältigen Produzent*innen hat. Nicht zuletzt im Rahmen des Bürgerbeteiligungsprojekts - „Lebensqualität am Wilden Kaiser“ - wurden Vielfalt und Qualität der regionalen Produkte, sowie das Zusammenwirken von Landwirtschaft und Tourismus immer wieder thematisiert. Dem wird nun Rechnung getragen, der „Marktplatz“ öffnet seine Pforten.

Was ist der Wilder Kaiser Marktplatz?

Dabei werden in einem ersten Schritt die regionalen Anbieter*innen mit ihren Erzeugnissen vor den Vorhang geholt. Oft weiß man zwar, was der direkte Nachbar herstellt – dass die Bäuerin zwei Orte weiter nicht nur guten Speck, sondern auch feine Filzpatschen hat, schon weniger. Daher war klar: Basis des Projekts ist ein Verzeichnis der erzeugenden und verkaufenden Betriebe. Unter www.wilderkaiser.info/marktplatz kann man sich ab sofort online informieren. Die Plattform ist nicht abgeschlossen und weiterhin offen für alle regionalen Erzeuger*innen bzw. Anbieter*innen, die sich und ihre Produkte dort präsentieren wollen.

Der Keilhof in Söll

450 Hühner, die einmal in der Woche übersiedeln und fünf Zwergziegen als Mitbewohner haben? Ja, das gibt’s wirklich. Und zwar nicht im Märchenwald, sondern mitten in Söll am Keilhof. Julia Hölzl, die Jungbäuerin des Bio-Familienbetriebs erklärt, was es mit der illustren WG auf sich hat: „Die Zwergziegen schützen unsere Hennen vor dem Habicht. Ganz nach dem Prinzip ‚Tiere helfen Tieren‘“.

Dabei leben die Hennen in zwei mobilen Ställen, mit denen sie wöchentlich umziehen. Das hat den Hintergrund, dass sie so jede Woche „frischen“ Auslauf haben. Die „Protektorziegen“ Kunigunde, Hildegard, Bearli, Flecki und Walter – am Keilhof haben alle Tiere Namen – kommen natürlich mit. Die mehr als 400 Bio-Eier, die so täglich am Keilhof gelegt werden, gehen zum Teil in die Gastronomie (also in Zeiten, in denen sie geöffnet hat), zum Teil in die Verarbeitung und zum Teil in den Keilschrank, wo man sie 24 Stunden am Tag kaufen kann. Alles auf Vertrauensbasis: Die Preise sind ausgeschildet, den Betrag wirft man einfach in die Kassa.

Im Keilschrank finden sich aber nicht nur Eier, sondern auch Bio-Rohmilch von den hauseigenen Kühen, sowie Nudeln, die aus den Eiern der Söller Wanderhennen hergestellt werden. Dies geschieht mit einem Partnerbetrieb in Vorarlberg, denn er ist einer der wenigen in Österreich, der auch ausschließlich österreichisches Getreide dafür verwendet. Und das ist den Betreiber*innen des Keilhofs besonders wichtig.

Bio-Familienbetrieb seit 3 Generationen

Apropos Betreiber*innen: Das ist am Keilhof die gesamte Familie – seit Generationen. Dass der Hof ein Bio-Bauernhof ist geht dabei bis auf Julias Oma zurück. Sie hat schon zu einer Zeit, wo Bio noch längst nicht „hip“ war, großen Wert auf biologische Landwirtschaft gelegt und seit damals wird der Hof „Bio“ geführt – und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Im Gegenteil: Das Thema hat über die Jahre an Stellenwert gewonnen, für Julia und ihren Mann Michael, die „junge Generation“ am Hof, hat das zusätzlich zum Tierwohl oberste Priorität: „Uns liegt die nachhaltige Landwirtshaft sehr am Herzen“ sagt Julia. Dass die „Söller Wanderhennen“ am Keilhof eingezogen sind, ist mitunter Julias Initiative geschuldet. „Wir sind sehr dankbar, dass uns meine Eltern schon jetzt unsere Herzensprojekte am Hof realisieren lassen und uns so sehr dabei unterstützen. Sei es mit der Arbeit, aber auch mit unseren beiden Kindern. Bei uns helfen alle zusammen – das ist sicher ein Erfolgsgeheimnis.“

Denn Betriebsführer*innen sind nach wie vor Papa Josef und Mama Beate, die aber in keinster Weise ein Problem mit frischen Ideen für den Bio-Hof haben. „Bei uns leben drei Generationen zusammen und natürlich hat jede Altersgruppe unterschiedliche Ansichten. Aber das ist in meinen Augen ein Vorteil. Bei uns wird viel diskutiert, da kann jeder sagen, was er sich denkt – und am Ende kommen die besten Ideen dabei heraus.“

Dass dem Keilhof die guten Ideen also nicht ausgehen, daran besteht kein Zweifel. Mit der jungen Generation ist der Keilhof übrigens auch Facebook und Instagram zu finden, eine Website gibt’s auch. Dabei wird aber auch nicht vergessen, dass viele Keilhof-Kund*innen keine sozialen Netzwerke oder das Internet nutzen – sie finden wichtige Infos direkt am Keilschrank.

Der Keilhof digital und analog

Wichtige Infos dazu, was es aktuell Gutes am Keilhof – und auf vielen anderen Höfen der Region – gibt, findet man ab sofort auch am Wilder Kaiser Marktplatz, dem Projekt des Tourismusverbandes, das regionale Produkte mit ihren Hersteller*innen vor den Vorhang holt. Dass der Keilhof am „Marktplatz“ vertreten sein wird, war für Julia sofort klar: „Ich finde es unglaublich praktisch, wenn ich auf einen Blick sehe, wo ich in der Region welche Lebensmittel bekomme. Das ist auch für uns Produzent*innen total interessant, so lernt man sich auch untereinander kennen. So ein Projekt trägt außerdem viel dazu bei, die Qualität mit der in der Region produziert wird, noch sichtbarer zu machen und ihr einen Mehrwert zu geben“, so Julia über den Marktplatz. „Außerdem bin ich sicher, dass der Marktplatz auch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit schafft – das finde ich sehr schön.“



Der Blaikenhof in Going

In ganz Tirol gibt es rund 80 Wagyurinder – 30 von ihnen leben am Blaikenhof in Going. Und wer sich jetzt fragt, wie die schönen Tiere den weiten Weg von Japan zum Wilden Kaiser gefunden haben – wir haben den Hof mit Geschichte besucht und uns schlau gemacht.

Das erste mal Wagyu-Rinder gesehen hat Christian Wallner, der in vierter Generation den Blaikenhof führt, in der Landwirtschaftsschule. Im Stall seiner Familie standen damals noch 9 Milchkühe. Dennoch, die japanischen Rinder haben ihn nicht mehr losgelassen und nachdem es gar nicht so leicht war, in Tirol Wagyu Fleisch zu bekommen, hat sich Christian kurzerhand eine Kostprobe aus Japan bestellt. Ab diesem Moment war für ihn klar: Wenn er den Hof übernimmt, werden Waguy-Rinder in den Stall einziehen.

2016 war es dann soweit: Der damals 20-Jährige hat den Bio-Hof, 100 Jahre nachdem ihn einst sein Uropa gekauft hatte, übernommen und sich online auf die Suche nach seinen ersten Waguy-Rindern gemacht. Und wer keine Ahnung vom „Kuh-Business“ hat: Die richtigen Tiere zu finden ist gar nicht so leicht. Schon gar nicht, wenn sie japanischer Abstammung sein sollen. Mit viel Engagement und auch ein bisschen Glück wurde Christian in Niederösterreich fündig. Und so sind die ersten zwei Wagyu-Rinder am Wilden Kaiser eingezogen. Dabei war immer klar, dass der Hof auch weiterhin ein Bio-Betrieb bleiben würde, auf dem das Tierwohl oberste Priorität hat: „Das ist mir extrem wichtig“, sagt Christian und jeder, der ihn über seine Rinder reden hört oder mit ihm in den Stall geht, weiß, dass das zu 100 Prozent stimmt.

Heute, fünf Jahre später, ist der Bestand auf 30 Rinder angewachsen, von denen jährlich sieben Tiere geschlachtet werden. Diese Aufgabe übernimmt derzeit ein junger Metzger, mit dem Christian zusammen arbeitet – in naher Zukunft soll das aber direkt am Blaikenhof passieren, denn das ist für die Tiere mit dem wenigsten Stress verbunden. Die Voraussetzung dafür wurde beim Stall-Umbau im vergangenen Jahr bereits geschaffen: Hinter dem neuen geräumigen, hellen und gut durchlüfteten Stall in dem die Rinder „wohnen“ (wenn sie nicht gerade draußen auf der Wiese mit Ausblick auf den Wilden Kaiser unterwegs sind), wurden sowohl ein Verkaufs- wie auch ein Schlachtraum gebaut. Bis zum Jahresende soll beides fertig sein.

„Kunden sollen sehen, wie gut es unseren Tieren geht“

Kaufen kann man das Fleisch aber auch jetzt schon: Einfach über die Website vorbestellen oder anrufen und vorbeikommen. „Uns ist es wichtig, dass die Kunden selbst sehen, wie die Tiere leben und wie gut es ihnen bei uns geht“, so Christian. „Deshalb ist uns auch der Direktverkauf vom Hof so wichtig, das stärkt das Vertrauen der Kunden enorm.“ Damit bestätigt Christian, was auch Studien zum Thema belegen: Dass der der „Hofladen“ ums Eck spätestens seit Corona einen regelrechten „Boom“ erlebt, hat vor allem damit zu tun, dass „Nähe“ ein Hebel für „Vertrauen“ ist – und das beeinflusst vor allem in Krisenzeiten unser Einkaufsverhalten. Die Forscher*innen gehen aber auch davon aus, dass die Herkunft der Lebensmittel für 41 Prozent der Konsument*innen noch wichtiger wird, als in „Vor-Covid-Zeiten“. Auch, den bzw. die Händler*in zu kennen, spielt eine gewichtige Rolle.

Am Blaikenhof braucht man aber definitiv kein Forschungsteam um das zu belegen – Christian trifft mit seinem Zugang zur Landwirtschaft absolut den Nerv der Zeit bzw. die Bedürfnisse der Konsument*innen. Dass sein Wagyu-Rind durchaus hochpreisig ist, tut der Beliebtheit seiner Ware (der „Top-Seller“ ist das Tomahawk-Steak), keinen Abbruch. „Für den Preis bekommt man auch beste Bio-Qualität, dafür sind die Leute schon auch bereit, etwas auszugeben.“ Dabei ist Christian aber keineswegs realitätsfern: „Es ist leider generell immer noch so, dass hohe Qualität bei Lebensmitteln oft auch eine Frage der Leistbarkeit ist.“ Daher freut es ihn ganz besonders, dass nicht nur Gäste und Gastronomie, sondern auch viele junge Einheimische bei ihm Fleisch kaufen. Denn so ein Wagyu-Steak isst man ja nicht jeden Tag, sondern wenn man sich einmal etwas Besonderes gönnen möchte.

Bauernhoff statt Ballet

Den Bio-Bauernhof schupft Christian, der hauptberuflich als Förster arbeitet, aber nicht alleine – es ist ein Familienbetrieb. Sein Papa, den viele als „Bio-Bauer Franz“ mit seiner Goinger Ursaat kennen, hilft genauso mit wie Christians Mama und auch seine Freundin Helene. Dabei ist es mitunter Corona geschuldet, dass auch sie zu ihrer neuen Leidenschaft finden konnte. Denn eigentlich ist Helene Balletttänzerin und auf den Bühnen Europas zuhause – nachdem die Kultur nun schon seit geraumer Zeit eine Zwangspause einlegen muss, hat sie diese gegen den Wilden Kaiser und den Blaikenhof getauscht – „und möchte gar nicht mehr weg“, wie uns Christian mit einem großen Lächeln erzählt.

Hier geht's zur Website, Facebook und Instagram vom Kaiser Wagyu am Blaikenhof.


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