© Emanuel Adensam
Anna & die große Liebe

„Es gibt nix Schöneres als Bäuerin zu sein!“

von Maria Sevignani Erstellt am 26. Mai 2023

für Familienmenschen für Wissenshungrige

Und sie muss es ja wissen. Schließlich macht die heute 76-Jährige das jetzt schon seit 50 Jahren. Zumindest an der Seite von ihrem Toni. Strenggenommen macht sie es sogar noch länger; ist sie doch selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen. Wir haben mit der Goinger Biobäuerin über ihr Bäuerinnen-Dasein gesprochen: Wie war das früher? Wie ist es heute? Und wie wird es weitergehen? ...

© Sabine Holaubek

Wer jetzt denkt, wir sitzen hier am Tisch mit einer Kopftuch- und Kittelschürze-tragenden 76 Jahre alten Frau mit verbitterter Miene, schmutzigen Fingern und müden Augen von der Stallarbeit, irrt gewaltig! Vor uns sitzt eine rüstige, moderne, freundliche Dame mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht. Was aber natürlich nicht heißt, dass die Anna nichts arbeitet – Denn das tut sie! Seit 5 Uhr in der Früh sogar schon. „Ich fang den Tag einfach früher an, dann bring‘ ich auch mehr unter“, lacht sie und ergänzt, „auch wenn mittlerweile unser Sohn und die Schwiegertochter den Bauernhof übernommen haben, so bin und bleib auch ich immer eine Bäuerin. Und wenn ich nochmal jung wäre, würde ich es genauso wieder machen wollen. Es gibt nämlich einfach nix Schöneres, als das auf den Tisch zu bringen, was man auch selbst produziert und hergestellt hat.“

Kurz und gut

Dabei hat die Anna die Transformation ihres Berufsstandes am eigenen Leib mitterlebt. „Als Kinder haben wir noch mit den Pferden die Heuarbeit gemacht, da gab’s noch keinen Traktor. Und auch heute noch stehen wir mit dem Rechen auf dem Feld. Das ist dann mein Fitnesscenter,“ lacht sie. „Aber ich tu‘ das auch einfach gerne: man ist draußen an der frischen Luft, hat ausreichend Bewegung und „braun“ wird man ganz nebenbei auch noch, da brauchst nicht einmal in den Urlaub fahren“, ergänzt sie augenzwinkernd. Und auch wenn die Arbeiten am Feld und im Stall bei weitem nicht immer nur einfach von der Hand gehen, so sind sie aber in jedem Fall „total erfüllend“, wie Anna meint. „Ich trink die Milch, die ein paar Schritte entfernt aus dem eigenen Stall kommt. Ich ess‘ das Fleisch, von den Rindern, die ich selbst gefüttert hab‘ und koch‘ die Marmelade mit den Früchten aus meinem Garten. Frischer geht’s nicht. Nachhaltiger auch nicht. Und besser schon gar nicht.“

Plötzlich hatte ich „vier Hände“

„Was man bei all der Euphorie aber natürlich auch nicht vergessen darf, sind die vielen Automatisierungen“ ergänzt Anna. „Mit dem Aufkommen von Mähmaschinen und Co. hast du als Bäuerin natürlich schon auch viele „helfende Hände“, die dir den Arbeitsalltag erleichtern. So können wir unseren Betrieb mit 80 Rindern heute quasi rein als Familienunternehmen führen. Das macht es schon auch einfacher. (Von den hohen Anschaffungskosten jetzt mal abgesehen). Es schenkt uns mehr Zeit und hat es uns zum Beispiel auch ermöglicht, neben dem Bauernhof auch eine florierende Zimmervermietung aufzubauen. Gerade diese Kombination finde ich auch so spannend. Da können wir unseren Gästen so viel mitgeben. Nicht nur, dass wir ihnen all unsere hauseigenen Produkte zum Frühstück kredenzen können, wir machen auch eigene Hofführungen oder Ausflüge auf unsere Alm. Das taugt den Leuten. Die wollen sehen, dass eine Kuh nicht lila ist und wo der Käse herkommt“ erzählt uns Anna stolz.

Von der Pike auf

Diese Wertschätzung der Natur und ihren Produkten gegenüber hat die dreifache Mutter und siebenfache Oma auch an ihre Nachfolger weitergegeben. „Ich glaub‘ ich hab‘ sie mit meinen Enthusiasmus regelrecht angesteckt“ lacht sie und berichtet weiter: „Gerade die Selbstbestimmung, immer das tun zu können, was man will, ist soviel mehr Wert als jede Million auf dem Konto. Und die Dinge mit den eigenen Händen anzupacken - einfach herrlich!“ kommt sie aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus.

Gemeinsam in die Zukunft

© Sabine Holaubek

„Es ist auch wunderbar, dass wir hier in der Region untereinander so super vernetzt sind und gut zusammenarbeiten. So können wir auch als Ortsbäuerinnen einen wichtigen und wertvollen Beitrag zur Erhaltung der Tradition und des Brauchtums in der Region beitragen“ erzählt uns Anna weiter. Auch wenn sie aktuell nicht mehr im Vorstand der hiesigen Ortsbäuerinnen aktiv ist (drei Perioden lang war sie dabei), „hüpft“ sie immer noch bei jeder Gelegenheit in ihr Kassettl (Anmerkung = traditionelle Tracht), backt Kuchen oder Brote für diverse Veranstaltungen und freut sich immer wieder anderen von ihrem Traumberuf erzählen zu können...

Du willst wissen, wie man Annas berühmte Bohnensuppe zubereitet? Hier geht's zum Rezept.

Maria Sevignani

Als freie Texterin und Redakteurin schreibt „dieschreibmenschin“ lieber für andere als über sich selbst. Wer dennoch etwas über sie wissen will: Die 2-fach-Mama bringt die Dinge gern auf den Punkt (weil sie Beistriche nicht mag) und schreibt ihre Texte mit links (weil sie‘s mit rechts nicht kann). Ihre Ideen-Berge sind mindestens so hoch wie der Wilde Kaiser, der ihr täglich vom Bürofenster aus zulächelt. Und wenn Maria nicht gerade in die Tasten haut, haut sie sich gern auf ihre Yogamatte, auf’s Bike, an den See oder in die Berge ...

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1 Kommentar(e)

Veronika Urbach

27.05.2023 - 20:38 Uhr

hallo nach Going, handelt es sich um den Harras-Hof im Prama? ? Wir haben viele Jahre und sehr gerne bei Marianne und Seppi Foidl im "Jägerhof" und später nebenan gewohnt. Es war für uns immer ein "Heimkommen" und wir wurden immer sehr gut aufgenommen. Leider sind Beide verstorben, haben sie vor ein paar Jahren auf dem Friedhof besucht....................... Viele Grüße aus Mainz

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