© Felbert/Reiter
Es ist nie zu früh. Oder doch?

1, 2, Ski ...

von Claudia Böttcher 18. Dezember 2015

für Wintermenschen für Familienmenschen für kleine & große Entdecker*innen für Ski Enthusiast*innen

Ab welchem Alter können Kinder das Skifahren lernen? Wenn die Bergbahnen wieder Richtung Gipfel gleiten und die weißen Pisten verführerisch leuchten, treibt viele Eltern genau diese Frage um. Wir haben Gerhard Told, Senior-Chef der Skischule Scheffau, dazu befragt.

Funkelnd glitzert der Schnee in der strahlenden Sonne. Der Himmel darüber stahlblau und wolkenlos. Wie gleichmäßige Ackerfurchen liegen sie da, die unberührten Spuren der Schneekatze. Jetzt gemeinsam auf die Piste, in großen Carvingschwüngen durchs winterliche Weiß jagen, das wär‘s. Ach ja, da war ja noch was...

„Fährst Du zuerst oder ich?“
„Fahr ruhig, ich trinke noch einen Kaffee. Wir können uns dann ja später ablösen.“
So oder so ähnlich hören sich die Dialoge der Kleinkindeltern entlang der Pisten an. Und während der Partner alleine davonschwingt, schweift der Blick über die perfekten, weißen Bahnen und ein Gedanke schleicht sich ein: „Wann können wir denn endlich alle zusammen Ski fahren?“

Sicherlich kennen fast alle skibegeisterten Eltern diesen Moment. Man sehnt sich danach, endlich wieder mit dem Partner gemeinsam die Pisten hinunterzuwedeln. Und nicht nur das. Viel schöner wäre es doch mit der ganzen Familie! Aber der Nachwuchs ist erst zwei oder drei Jahre alt. Schon alt genug zum Skifahren?

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Am wichtigsten ist zuallererst die Lust aufs Skifahren. Meist äußern Kinder, die mit dem Skisport in Berührung kommen, diese relativ früh von allein. Damit ist der erste Schritt getan. Danach zählt vor allem das „wie“. Möchte man ein Kleinkind zum ersten Mal auf die Ski stellen, sollte das wohlüberlegt sein und vor allem ein echtes Erfolgserlebnis für den kleinen Nachwuchsskifahrer. Darüber, wie das gelingen kann, hat sich Gerhard Told, Senior-Chef der Skischule Scheffau und jahrelang erfolgreicher Skilehrer, ausführliche Gedanken gemacht. Wir haben nachgefragt:

Gerhard, eine Frage, die viele Eltern von Kleinkindern umtreibt ist: Welches Alter ist das Richtige, um mit dem Skifahren zu beginnen? Gibt es darauf eine allgemeingültige Antwort?

"So pauschal kann man das nicht beantworten. Wichtig ist, dass das Kind Lust darauf hat, seine ersten Schritte im Schnee zu probieren. Das kann mit zwei Jahren so weit sein oder auch später. Die meisten Kinder sind neugierig und haben Lust, Neues auszuprobieren. Wenn man dann erreicht, dass die erste Stunde ihnen Freude bereitet, ist das schon die halbe Miete.

Grundsätzlich macht es natürlich einen Unterschied, ob das Kind bereits an Fremdbetreuung gewöhnt ist oder nicht. In so einem jungen Alter sind viele Kinder noch nicht im Kindergarten. Umso wichtiger ist es uns, die Bezugspersonen aktiv in die ersten Skistunden mit einzubinden. Wenn Eltern oder Großeltern mit dabei sind, fühlen sich auch die Allerkleinsten sicher und gut aufgehoben.

Zusätzlich kommt es natürlich ganz wesentlich auf die Betreuer und Skilehrer drauf an. Wir arbeiten schon seit vielen Jahren mit ausgebildeten Kindererzieher/-innen zusammen. Sie kennen die Bedürfnisse der Kinder am besten und können so ideal auf sie eingehen."

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Im KinderKaiserland haltet Ihr für die Kleinsten besondere Ski, die sogenannten Mini-Carver, bereit. Was hat es damit auf sich?

"Für viele kleine Kinder ist die Anprobe eine riesen Sache. Skischuhe anziehen, ausziehen, neu probieren. Die Schuhe sind steif, drücken und stören. Für manch einen Nachwuchsfahrer ist damit der Spaß schon auf der Bank im Skiverleih vorbei.

Um das zu vermeiden, haben wir zusammen mit einem Hersteller unsere Mini-Carver entwickelt. Sie können mit dem normalen Winterstiefel getragen werden. Dabei sorgt die flexible Bindung für den richtigen Halt am Ski, die Taillierung macht sie sehr drehfreudig. So können die Kinder Spaß an den ersten Schritten auf dem Hang im Kinderland gewinnen.

Wenn sie nach zwei oder drei Malen erst einmal rausgefunden haben, dass sie auf den Brettern problemlos balancieren und die Richtung steuern können, dann sind sie auch bereit zum Wechsel in den steiferen Skischuh. Zur Fahrt auf der Piste sind die Mini-Carver nicht geeignet. Das geben die Kanten nicht her. Aber in unserem eigens angelegten KinderKaiserland finden die Junioren hierfür die perfekten Bedingungen. Danach geht der Wechsel auf die Piste ganz schnell."

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Wie sieht der ideale Skiunterricht für die Allerkleinsten aus? Können Kinder im Alter von 2 bis 3 Jahren schon sinnvoll an einem Gruppenkurs teilnehmen?

"Wir sind der Meinung, dass für Kinder von zwei bis vier Jahren ein individueller Unterricht erfolgsversprechender und altersgemäßer ist. Das ist einfach unsere Erfahrung aus vielen, vielen Jahren Skiunterricht. Im KinderKaiserland können unsere Skilehrer und Pädagogen individuell auf die einzelnen Kinder eingehen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Skischulen, liegt unser geschütztes Gelände oben an der Gondelstation. So können Eltern und Kinder den Tag gemeinsam am Berg verbringen. Und während die Eltern ganz entspannt die Pisten entlang wedeln, üben die Kleinsten im sicheren, eingezäunten Areal, abgestimmt auf ihre individuellen Fähigkeiten. Ab etwa vier Jahren sind die Geübten dann bereit für die Gruppenkurse, die auch auf die Piste führen."

Im Kinderland der Skischule Scheffau habt Ihr u.a. ein Lern-Karussell, einen Schlosslift und eine Grottenbahn. Wie helfen diese den Kindern bei ihren ersten Schritten auf dem Schnee?

"Möchte man ganz kleinen Kindern den Spaß am Skifahren vermitteln, stehen vor allem Freude und Erfolgserlebnisse im Vordergrund. Kein Dreijähriger hat Spaß daran, zum zwanzigsten Mal im Watschelschritt den Hang hochzuklettern. Das braucht unglaublich viel Energie. Und auch eisige Schneeflocken, die dem Kind waagerecht ins Gesicht stürmen, mindern die Freude drastisch. Darum sind unsere „Lifte“, Förderbänder wie zum Beispiel die Grottenbahn, übertunnelt. Hier kann das Kind ausruhen und gespannt zuschauen, wie es Richtung Schneeschloss emporschwebt, bevor es sich an seinen nächsten Mini-Slalom wagt.

Im Karussell sorgen lustige Figuren wie Schneemann oder Froschkönig dafür, dass es ganz einfach ist, die Spur zu halten. Der lustige Begleiter macht Mut auf die spannende Fahrt. Ganz spielerisch erlernt das Kind so die parallele Führung der Ski und die Gewichtsverlagerung in den Kurven."

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Ganztageskurs oder doch nur ein halber Tag? Was ist für einen Vierjährigen besser? Manche Eltern sind unsicher, ob ein ganzer Tag Unterricht nicht zu viel für ein kleines Kind ist. Wie siehst Du das?

"Unsere Erfahrung zeigt, dass ein normaler Kurstag mit zwei Mal zwei Stunden, unterbrochen von der Mittagspause, ideal ist. Natürlich kann man auch nur einen halben Tag buchen. Für das Halbtagskind ist es aber manchmal frustrierend zu sehen, dass sich die Kursfreunde, die je einen ganzen Tag dabei sind, schneller weiterentwickeln. Zwei Stunden am Vormittag, ein ausgedehntes Mittagessen mit Schnitzel und Apfelstrudel, und dann noch einmal zwei Stunden am Nachmittag, das macht eigentlich allen Spaß.

Unser Kindermittagsessen findet in einem eigenen Raum im Bergrestaurant statt. Sonderwünsche, wie zum Beispiel ein fleischloses Mittagsgericht oder besondere Anforderungen von Allergikern, werden selbstverständlich berücksichtig. Danach geht es zurück zum Spaß im Schnee. Dazwischen können die Kinder sich immer wieder in der Skischule bei einer heißen Schokolade oder einem Getränk für die Durstigen aufwärmen und ausruhen. Ab diesem Winter werden wir auch ein Iglu auf dem Gelände haben. Da machen die Pausen gleich noch mehr Spaß."

© Claudia Böttcher

Fazit: Das richtige Alter, es richtet sich erst einmal nach dem Kind. Sobald der Wunsch zum Skifahren da ist, steht dem Pistenvergnügen allerdings kaum mehr etwas im Wege. Mit dem richtigen und gut durchdachten Programm können auch schon die Allerkleinsten ihre große Freude an den zwei Brettern entdecken. Erlaubt ist, was gefällt.

Claudia Böttcher

Seit die Berlinerin in München lebt, ist sie regelmäßig in den Bergen anzutreffen, sei es auf Ski oder in Wanderschuhen. Aber auch sonst zieht es die Redakteurin in die Welt hinaus. Mit ihren Kindern ist sie häufig rund um dem Globus unterwegs und berichtet davon auf ihrem Blog Fernweh mit Kids. Ob Kambodscha, Indien oder Vietnam ... zwischen ihren exotischen Trips kommt sie immer wieder zum Wilden Kaiser zurück.

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