Birgit Hong

von Birgit Hong

Nach 7 Jahren in der Ferne, hat es Birgit jetzt doch wieder an den schönen Wilden Kaiser zurĂŒck verschlagen. Hier genießt sie nun die Bergwelt in vollen ZĂŒgen, und weiß die Schönheit der Natur in allen 4 Jahreszeiten wieder richtig zu schĂ€tzen. Es sind viele Kleinigkeiten, wie die frische Luft, das klare Wasser, die vielen Traditionen und BrĂ€uche, die Hausmannskost,
 die man erst vermisst, wenn man lĂ€nger weg ist – man sich aber dann dafĂŒr wieder umso mehr darĂŒber freuen kann.

Mehr ĂŒber Birgit Hong

Über den Eggersteig durch das Ellmauer Tor

von Birgit Hong -

Mitten durch – durch das „Herz des Wilden Kaisers“

Kennen Sie das, wenn Sie irgendwo am Berg oben stehen und Ihnen schon zahlreiche Ideen fĂŒr die nĂ€chsten Touren und Routen in den Kopf kommen, bevor Sie wieder im Tal sind? Der Wilde Kaiser mit seinen rund 40 Gipfeln bietet natĂŒrlich unzĂ€hlige Möglichkeiten. Man kann diesen Gebirgszug jahrelang erwandern und erkunden, und es gibt immer noch neue Wege zum Kennenlernen.

Aber sogar ganz klassisch, am Ellmauer Tor oben, gings mir schon oft so. Wenn man in der vielbesuchten Senke zwischen den steilen FelswĂ€nden gemĂŒtlich seine Jause genießt, sieht man aus allen Ecken und Winkeln Wanderer und Kletterer hervorkommen. Wo die wohl alle herkommen? Bis jetzt bin ich immer von Ellmau, also von SĂŒden aus, auf die knapp 2000m hinauf gewandert. Oben sieht man ja dann ein bisschen in den schmalen Felskessel Richtung Norden hinab, aber nicht wirklich, wie der Weg da hinunter in das Kaiserbachtal ist. Jetzt weiß ich es - endlich hab ich mit dem berĂŒhmten Eggersteig und der imposanten Steinernen Rinne Bekanntschaft gemacht, und kann nur sagen: super, aufregend, steil und absolut zu empfehlen!

2017_08_30 Über den Eggersteig durch das Ellmauer Tor Foto 1

Seit einiger Zeit reden wir von der Kaiserdurchschreitung, von Nord nach SĂŒd mitten durch, durch das „Herz des Wilden Kaisers“. Über das Ellmauer Tor sollte es auch fĂŒr uns Nicht- Kletterer ganz einfach zu schaffen sein, schwindelfrei und trittsicher sind wir ja - und das war auch gut so. Wir wollten den steileren, an der Nordseite gelegenen Teil lieber bergauf gehen, also bei der Griesener Alm starten und dann auf der SĂŒdseite zur Wochenbrunner Alm wieder herunterwandern. Nett, dass uns ein Bekannter um halb 7 Uhr frĂŒh schon hinter den „Koasa“ bringen konnte. NatĂŒrlich hĂ€tten wir auch ein Taxi fĂŒr ca. € 50 nehmen, oder unser Auto drĂŒben stehen lassen und nach der Tour wieder holen, können. Einfacher wars natĂŒrlich mit dem Privattaxi ĂŒber St. Johann, Gasteig und die Mautstraße (€ 4) zur Griesener Alm zu kommen, und so starteten wir dort auf 1.024m um kurz nach 7 Uhr Richtung Stripsenjochhaus.

2017_08_30 Über den Eggersteig durch das Ellmauer Tor Foto 3

Wir waren froh, dass der Tag etwas bewölkt war, da uns beim Hinaufgehen auch so warm genug wurde und vor allem der Abstieg ĂŒber das Schotterkar auf der SĂŒdseite dadurch um einiges kĂŒhler war. Auf dem anfangs noch relativ breiten Wanderweg kamen wir den steilen WĂ€nden des Kaisers ĂŒber Stock und Stein schnell nĂ€her. Wie wir da ohne zu klettern hinauf kommen sollten, konnten wir uns noch nicht ganz vorstellen. Diese „Steinerne Rinne“ ist wirklich faszinierend anzusehen, links und rechts ragen die massiven FelswĂ€nde, teilweise fast ĂŒberhĂ€ngend, steil hinauf.

Um diese Zeit war noch nicht viel los, ein paar Wanderer und vor allem Kletterer waren aber doch schon unterwegs zu den weithin bekannten WĂ€nden von der Fleischbank und dem Predigtstuhl. Viele begeben sich hier auf die Spuren von berĂŒhmten Alpinisten. 1977 wurde an der Fleischbank erstmals Klettergeschichte geschrieben, als bei der Freibegehung der „Pumprisse“ der VII. Grad eingefĂŒhrt wurde. In den Jahren darauf wurden zahlreiche weitere Sportkletterrouten im Kaisergebirge eröffnet, im Moment erreicht die Route „Des Kaisers neue Kleider“ eine X+ am Fleischbankpfeiler. FĂŒr uns wars schon aufregend genug die waghalsigen Alpinprofis in ihren extremen Routen nur zu beobachten.

2017_08_30 Über den Eggersteig durch das Ellmauer Tor Foto 3

Auf ca. 1400m, kurz vor dem letzten Anstieg zum Stripsenjochhaus, durften wir dann links vom Weg abbiegen und sahen schon die ersten Drahtseilversicherungen des Eggersteigs. Nun hieß es Helm aufsetzen und schön nah am Felsen bleiben. Da der Steig ab jetzt direkt an der Felswand entlang geht, ist der Schutz vor Steinschlag unumgĂ€nglich. Eine Familie war gerade dabei sich Gurt und Klettersteigset anzulegen, was fĂŒr Kinder und Wanderer die nicht 100% schwindelfrei sind, auf jeden Fall zu empfehlen ist, es geht nĂ€mlich ganz schön ausgesetzt weiter. Der Großteil ist aber gut versichert, und mit einer Hand am Stahlseil, gings auch fĂŒr die anfangs noch etwas nervöseren Wanderer, ganz gut voran. Gut dass wir in weiser Voraussicht Radhandschuhe dabei hatten, da wir so die HĂ€nde einfach am Seil entlang gleiten lassen konnten.

2017_08_30 Über den Eggersteig durch das Ellmauer Tor Foto 4

Die tollen Aussichten laden immer wieder zum Fotografieren ein. WĂ€hrend man sich auf die Kamera konzentriert, darf man nur nicht vergessen, dass es neben einem ganz schön runter geht. Wir genossen den Blick auf das Kaiserbachtal, den gegenĂŒberliegenden Feldberg und den Stripsenkopf und umrundeten zunĂ€chst querend, etwas bergauf und bergab, den Pfleiler des „Totenkirchl“. Schon bald gings dann nur mehr bergauf weiter – jetzt waren wir mitten in der beeindruckenden Steinernen Rinne angekommen. Rechts von uns die Gipfel des Totenkirchl, der Fleischbank und der Hinteren Karlspitze, links der Predigtstuhl und weiter oben die Hintere Goinger Halt.

Die Rinne ist bereits seit 1904 mit einer Steiganlage versehen, die uns nun im steilen Zick- Zack direkt ins Ellmauer Tor hinauf fĂŒhrte. Die ganz wilden, felsigen AbsĂ€tze wurden mit kĂŒnstlichen Stufen und Drahtseilen etwas entschĂ€rft. So brachten wir in kĂŒrzester Zeit ganz schön viele Höhenmeter hinter uns - unsere Oberschenkel spĂŒrten wir dafĂŒr auch die nĂ€chsten Tage noch ;-)
Erst kurz unter dem Ellmauer Tor weitet sich das enge Tal etwas und es geht ĂŒber Geröll noch ein StĂŒck weiter hinauf. Hier oben hört man dann schon öfter „Achtung Stein“ von herunterkommenden Wanderern. Immer wieder werden Steine losgetreten und bleiben aber meist auch bald wieder liegen. Das letzte StĂŒck zog sich dann noch ein bisschen, da wir voll Vorfreude zu frĂŒh glaubten, es schon geschafft zu haben. Aber nach nicht ganz 3 Stunden Gehzeit wars dann wirklich so weit – und ĂŒber die letzten Felsen hinweg eröffnete sich nun der Blick in den SĂŒden, ĂŒber die KitzbĂŒheler Alpen, die dahinterliegenden Gletscher und bis hinunter ins Tal.

2017_08_30 Über den Eggersteig durch das Ellmauer Tor Foto 5

Hier haben wir uns erstmal eine Jause verdient. Mittlerweile waren auch einige Leute oben anzutreffen, viele schĂŒtzten sich hinter den herumstehenden großen Felsbrocken vor dem Wind und genossen gemĂŒtlich eine Pause. Mit offenem Mund beobachteten wir eine Gruppe Kletterer die sich zu einer in den himmelragenden Wand vorarbeitete. Von hier wĂ€rs nur noch ca. eine halbe Stunde hinauf auf die Hintere Going Halt, die mit 2.191m einer der am einfachsten zu erreichende Gipfel im Wilden Kaiser ist.

2017_08_30 Über den Eggersteig durch das Ellmauer Tor Foto 6

Wir beschlossen aber, es fĂŒr diesmal gut sein zu lassen, und uns lieber gemĂŒtlich auf den Heimweg zu machen. Auch auf der SĂŒdseite starteten wir erstmal relativ steil bergab, bevor wir dann die Schotterrinne hinunterrutschen konnten. Wer noch nicht genug hat, kann hier noch rechts abbiegen und ĂŒber den JubilĂ€umssteig zur GruttenhĂŒtte, und von dort zur Wochenbrunner Alm absteigen. Der Steig ist als schwieriger Bergweg eingestuft und schlĂ€ngelt sich sehr ausgesetzt, aber mit absolut traumhaften Aussichten, durch die Felsen. Uns ließ stattdessen der Gedanke an den Kaiserschmarrn auf der GaudeamushĂŒtte relativ schnell werden, und im nu saßen wir auf dort auf der Terrasse und genossen die schwerverdiente Köstlichkeit. Nach der gemĂŒtlichen Rast, wanderten wir dann ĂŒber die Wochenbrunner Alm wieder nach Ellmau zurĂŒck. GenĂŒsslich schauten wir von unten noch mal hinauf ins Ellmauer Tor, und freuten uns schon auf die nĂ€chsten Touren.

2017_08_30 Über den Eggersteig durch das Ellmauer Tor Foto 7
Diese Seite mit deinen Freunden teilen
Birgit Hong

Artikel von Birgit Hong

Nach 7 Jahren in der Ferne, hat es Birgit jetzt doch wieder an den schönen Wilden Kaiser zurĂŒck verschlagen. Hier genießt sie nun die Bergwelt in vollen ZĂŒgen, und weiß die Schönheit der Natur in allen 4 Jahreszeiten wieder richtig zu schĂ€tzen. Es sind viele Kleinigkeiten, wie die frische Luft, das klare Wasser, die vielen Traditionen und BrĂ€uche, die Hausmannskost,
 die man erst vermisst, wenn man lĂ€nger weg ist – man sich aber dann dafĂŒr wieder umso mehr darĂŒber freuen kann.

Alle Artikel

0 Kommentar(e)

Mehr Kommentare
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. *Pflichtfelder

Das könnte Dich auch interessieren

2. Kaiserkrone JOLsport Elite Run in Scheffau

2. Kaiserkrone JOLsport Elite Run in Scheffau

Am 7. Juli 2018 fĂ€llt um 7 Uhr am Scheffauer Dorfplatz der Startschuss fĂŒr einen abwechslungsreichen und krĂ€ftezehrenden Gebirgslauf, den 2. Kaiserkrone JOLsport Elite Run. Ganze 3.500 Höhenmeter sind bei dem 58 Kilometer langen Rennen rund um den Wilden Kaiser zu ĂŒberwinden.

Auf zu neuen Ufern

Auf zu neuen Ufern

Das KaiserBad in Ellmau erstrahlt nach dem Umbau in neuem Glanz. Überall wird geputzt und der letzte Schliff angelegt. Josef Sojer, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des KaiserBads, empfĂ€ngt mich zu unserem gemeinsamen Rundgang und zeigt mir zu Beginn gleich die neue Kletterhalle.

Klettern lernen am Wilden Kaiser

Klettern lernen am Wilden Kaiser

Ein perfekter Cocktail aus verschiedenen GefĂŒhlen - Anstrengung & Stolz, Beklemmung & Freiheit, mulmige Momente & „König-der-Welt-GefĂŒhle“, Anspannung & Loslassen, Überwindung & Sieg, zitternde „NĂ€hmaschinen“ Knie & Leichtigkeit wie ein Vogel, Respekt & Freude, brennende Unterarme & Genugtuung.