Claudia Böttcher

von Claudia Böttcher

Seit die Berlinerin in München lebt, ist sie regelmäßig in den Bergen anzutreffen, sei es auf Ski oder in Wanderschuhen. Aber auch sonst zieht es die Redakteurin in die Welt hinaus. Mit ihren Kindern ist sie häufig rund um dem Globus unterwegs und berichtet davon auf ihrem Blog Fernweh mit Kids. Ob Kambodscha, Indien oder Vietnam ... zwischen ihren exotischen Trips kommt sie immer wieder zum Wilden Kaiser zurück.

Mehr über Claudia Böttcher

Osterbrauchtum in Tirol

von Claudia Böttcher -

Ostern liegt in diesem Jahr sehr früh. Viele Gäste am Wilden Kaiser werden die Feiertage daher auf den Pisten verbringen. Wer sich Zeit für einen Abstecher in die Täler nimmt, kann dort traditionelles Tiroler Osterbrauchtum entdecken.

Während die Kinder sich vor allem auf Schokoeier und den Osterhasen freuen, läutet die Karwoche eines der wichtigsten Feste im Kirchenjahr ein. Sie beginnt am Palmsonntag, eine Woche vor dem eigentlichen Osterfest. Seit Urzeiten feierlich begangen, haben sich um diese besondere Zeit im Jahr viele Traditionen und Bräuche entwickelt, die in Tirol auch heute noch gepflegt werden. Für Besucher eine einmalige Chance, althergebrachtes Brauchtum aus nächster Nähe zu erleben.

Palmstangen & Palmesel:

Die Osterwoche beginnt in den Gemeinden Tirols mit Umzügen und Palmweihen. Da Palmen in den Bergen und Tälern Tirols eher schlecht gedeihen, behilft man sich hier seit alters her mit Sträußen, die aus Immergrün wie Buchsbaum und Zweigen heimischer Bäume und Sträucher gebunden werden. Liebevoll mit bunten Bändern verziert, sind die Palmbuschen genannten Gebinde in den ländlichen Regionen in fast jeder Familie zu finden. Am Palmsonntag werden die Buschen zur Weihe in die Kirche gebracht. Danach bewahrt man sie sorgsam auf, sollen sie doch Haus und Bewohner vor allerlei Unglück wie Krankheiten oder Unwetter schützen.

2016-03-15 Osterbrauch in Tirol Foto 1

Noch eindrucksvoller sind die Umzüge, bei denen die Palmlatten präsentiert werden. Hölzerne Stangen werden dazu mit Immergrün und bunten Bändern umwickelt und mit Brezeln und Äpfeln geschmückt. Sie werden in der Regel von den örtlichen Burschenschaften präsentiert und können so beachtliche Höhen erreichen, dass nur mehrere Burschen gemeinsam in der Lage sind, die schweren Stangen zu tragen. Wird einem Bub die Palmstange zu schwer und fällt um, wird er voller Spott "Palmesel" genannt. Doch einen Palmesel gibt es in jeder Familie, nämlich denjenigen, der am Palmsonntag zuletzt aus den Federn kommt.

Ratschen statt Glocken:

Wer in der Osterwoche schon einmal in Tirol war, hat vielleicht das eigentümlich knarrende Geräusch der hölzernen Ratschen gehört. Sie ersetzen von Gründonnerstag bis zur Osternacht das Glockenläuten der Kirchen. Die Glocken verstummen in dieser Zeit zur Erinnerung an das Leid Jesu. Kinder, meist Ministranten, ziehen dann mit den hölzernen Instrumenten durch die Straßen der Dörfer und erinnern an die Gebets- und Andachtszeiten. Der Legende nach fliegen die Glocken derweil nach Rom und kehren erst am Karsamstag zurück.

2016-03-15 Osterbrauch in Tirol Foto 2

Das Ostergrab:

In vielen Kirchen wird man, als Zeichen der Trauer, verhängte Altäre zu sehen bekommen. Da es in Tirol aber seit jeher Brauch ist, Ereignisse aus der Heilsgeschichte möglichst lebendig dazustellen, findet man beispielsweise in Going oder Söll bunt geschmückte Ostergräber.

Eierpecken für Anfänger:

Neben dem Osterhasen, stehen zu Ostern die Eier im Mittelpunkt. Besonders die Kinder suchen sie heutzutage am Ostersonntag mit großer Begeisterung. Zurück geht diese Tradition auf den alten Brauch des „Eiersammelns“. Dabei gingen die jungen Burschen früher in den ländlichen Regionen von Haus zu Haus und wurden von den Mädchen oder Bäuerinnen mit gefärbten Eiern beschenkt. Danach war es Zeit für das auch heute noch so beliebte Eierpecken.

2016-03-15 Osterbrauch in Tirol Foto 3

Beim Eierpecken werden zwei hart gekochte Hühnereier an der Spitze mit einem festen, kurzen Stoß aufeinander geschlagen. wurde eine Münze aus einiger Entfernung auf das gefärbte Ei geworfen. Bleibt sie darin stecken, gehörte das Ei dem Münzenbesitzer. Das zerbrochene Ei gehört am Ende dem Besitzer des Eis mit der unversehrten Schale. Tipp: Am besten eignen sich kleine, spitze Eier, die mit der Hand so umfasst werden, dass nur noch die Spitze herausschaut.

Ostermärkte:

Auch die Ostermärkte sind in Tirol Bestandteil der Osterzeit. Als besonders schön gelten die Märkte in Innsbruck, Hall und Kufstein. Angeboten werden Osterdekorationen und kulinarische Leckereien. Musik und Aufführungen sorgen für eine heitere Frühlingsstimmung. In Kufstein findet der jährliche Ostermarkt am Karfreitag und Ostersamstag statt. Kinder freuen sich neben Mal- und Bastelaktionen besonders über den Besuch des Osterhasen. Für die Erwachsenen gibt es neben regionalen Produkten und traditioneller Handwerkskunst vor allem allerlei landestypischen Köstlichkeiten, wie Brodakrapfen oder Kiachln zu entdecken.

2016-03-15 Osterbrauch in Tirol Foto 4

Emmaustag:

Der Emmaustag oder Emmausgang bezeichnet das Ende der Osterfeierlichkeiten am Ostermontag. In Erinnerung an den Gang der Jünger Jesu nach Emmaus, einem Ort etwa 8 Kilometer außerhalb von Jerusalem, wird auch heute noch in vielen Gemeinden am Ostermontag „spazieren gegangen“ – meist früh am Morgen, durch die erwachende Natur. Während vielerorts die Kirchengemeinden den gemeinschaftlichen Emmausgang organisieren und mit einem gemeinsamen Frühstück und Gottesdienst abschließen, wanderte man früher einzeln, mit Freunden oder der Familie frühmorgens durch die Natur zur nächstgelegenen Wallfahrtskapelle oder Kirche.

2016-03-15 Osterbrauch in Tirol Foto 5

Das ist nur ein kleiner Auszug der Tiroler Traditionen und Bräuche zu Osterzeit. Wer in diesen Tagen die Dörfer und Täler der Region besucht und mit offenen Augen durch die Gassen und Straßen wandert, wird neben Osterschmuck und Palmsträußen noch viel mehr entdecken. Informationen zu Messen, Palmsegnung und Weihen erhaltet ihr bei den Kirchengemeinden in Going, Ellmau, Scheffau und Söll.

Und für alle, die den Ostersonntag mit ihren Kindern weniger traditionell, dafür mit viel Spannung und Action verbringen wollen, empfehle ich das Kinderfest an der Bergstation der Hartkaiserbahn. Über 1.000 Ostereier sind hier in Ellmis Zauberwald versteckt und wollen gefunden werden. Dazu gibt es im Panoramarestaurant Hartkaiser direkt an der Piste eine Kinderdisco und viele weitere Attraktionen.

Diese Seite mit deinen Freunden teilen
Claudia Böttcher

Artikel von Claudia Böttcher

Seit die Berlinerin in München lebt, ist sie regelmäßig in den Bergen anzutreffen, sei es auf Ski oder in Wanderschuhen. Aber auch sonst zieht es die Redakteurin in die Welt hinaus. Mit ihren Kindern ist sie häufig rund um dem Globus unterwegs und berichtet davon auf ihrem Blog Fernweh mit Kids. Ob Kambodscha, Indien oder Vietnam ... zwischen ihren exotischen Trips kommt sie immer wieder zum Wilden Kaiser zurück.

Alle Artikel

0 Kommentar(e)

Mehr Kommentare
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. *Pflichtfelder

Das könnte Dich auch interessieren

Mehr „Hoamatgfüh“: Schöner wohnen leicht gemacht

Mehr „Hoamatgfüh“: Schöner wohnen leicht gemacht

Man würde fast am Geschäft vorbeigehen, wären da nicht der liebevoll dekorierte Holzkasten und die Blumen vor der Türe. Doch die vielen kleinen und großen Schätze offenbaren sich erst im Inneren des Geschäfts – hier kommt „Hoamatgfüh“ auf!

So bunt wie der Herbst: FamilienHerbstWochen

So bunt wie der Herbst: FamilienHerbstWochen

Wer nach dem Sommer noch nicht genügend Vitamin D gebunkert hat, der sollte die Chance nutzen und auf n Tiroler Bergen die Herbstsonne genießen. Wie man da hoch kommt? Mit den Bergbahnen der Region Wilder Kaiser, denn die verlängern die Saison bis 4. November und das für die ganze Familie!

Die besten Alternativen zum Skifahren

Die besten Alternativen zum Skifahren

Planung mit Kindern? Fehlanzeige! Auch wenn am Vortag die Vorfreude aufs gemeinsame Skifahren noch kaum zu bremsen war, kann einem der Nachwuchs kurzfristig doch noch einen Strich durch die Rechnung machen.