Katharina Muck

von Katharina Muck

Die gebürtige Konstanzerin ist im Dezember 2018 von München nach Ellmau gezogen. Jetzt macht sie hier die Region unsicher und freut sich über jede Sportart, jede spannende Tour, und alles andere Neue, was sie hier sehen und erleben kann. Sie ist keine gute, dafür aber eine begeisterte Bergsportlerin.

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Von der Halle an den Fels

von Katharina Muck -

Klettern lernen am Wilden Kaiser

Was hat Klettern mit Pizza gemeinsam? Jeder kennt das: Selbst gemachte Pizza schmeckt anders als Tiefkühlpizza oder die vom Italiener um die Ecke – aber alles ist extrem lecker. Ähnlich ist es beim Klettern – Sportklettern in der Halle, Klettern im Klettergarten und eine Mehrseillängentour sind irgendwie ähnlich, aber trotzdem ist jede Spielart dieses Sports anders und auf seine eigene Art besonders.

Auch wenn der Titel dieses Beitrags "Von der Halle an den Fels" lautet - geht man nach der Jahreszeit, befinden wir uns aktuell eigentlich in jener Phase, in der es heißt: "Vom Fels in die Halle", nachdem der Winter schon grüßen lässt und die Kaiser-Gipfel zu weiten Teilen schon angezuckert sind. Aber: Die nächste Outdoor-Kletter-Saison kommt schneller als ihr euch vorstellen könnt: Daher ist jetzt der ideale Zeitpunkt, um in der Halle zu starten - um sich dann im nächsten Frühling perfekt vorbereitet wirklich "von der Halle an den Fels" zu wagen.

Schritt 1: Klettern in der Halle

Kletterhalle_Kaiserbad Ellmau_Foto Alex Gretter (6)
Ich war im vergangenen Sommer zum ersten Mal in Ellmau in der Halle im Kaiserbad klettern. Davor war ich in München ein Jahr lang halbwegs regelmäßig bouldern. Das war für mich aber eher eine Mischung aus Freunde treffen, Spielplatz für Große und Sport. Klettern an sich und vor allem mit dem Ziel, Gipfel zu erklimmen, die ich sonst nicht erreichen würde, hat dann doch eine andere Ernsthaftigkeit (verdient).

Und ja - auch wenn das Ziel die großen Gipfel sind – war für mich der erste Schritt die Halle. Unter Anleitung von Guido Unterwurzacher - ein hiesiger Bergführer und Kletter-Profi - lerne ich zunächst einmal, wie ich mich und andere sichere und auch, wie ich meinen Partner wieder runterlasse, wenn er an der Decke der Halle angekommen ist. Für meine „Draußen“-Ziele lerne ich außerdem, wie ich mich selbst abseilen würde, wie ich einen Standplatz bauen würde und einen „Friend“ setze – all das gehört dazu, bevor es für eine Tagestour an den Fels geht.

Schritt 2: Klettern im Klettergarten

Klettern Schleierwasserfall_Going_Foto von Felbert_Reiter (30)
Wobei man bei uns am „Koasa“ ja auch in einem Outdoor-Klettergarten, wie dem berühmten Schleierwasserfall klettern kann. Das ist dem Klettern in der Haller recht nahe, aber eben doch anders. Ähnlich ist, dass man seinen Partner beim Klettern sieht, ihn von unten sichert und dann wieder runter lässt. Anders? Irgendwie dann eben doch alles. Schon alleine, dass Tritte und Griffe nicht farblich markiert/vorgegeben sind, sondern einfach der ganze Fels „gilt“. Und wer denkt, dass es das einfacher macht, irrt gewaltig. Ich finde zum Beispiel, dass die Art wie in der Halle Griffe platziert sind, einem oft schon nahe legen, wie man greifen muss, wie der Zug aussehen soll etc. Das fehlt am Fels (zumindest mir) komplett.

Dazu kommt am Fels noch, dass es auch passieren kann, dass ein Griff also der Stein nicht hält, Blätter, Moos oder Nässe in einer Ritze sind – oder einem Insekten und Spinnen entgegen kommen. Pingelig sollte man draußen also nicht sein. Dafür ist das Umfeld auch ein anderes. Während ich in der der Halle auf einen langweiligen Boden und Wände schaue, kann ich am „Schleier“ den Ausblick ins Tal genießen, und wirklich guten und teilweise auch berühmten Kletterern dabei zuschauen, wie sie an ihren Projekten arbeiten und scheinbar jeglichem Gesetzt der Schwerkraft trotzen. Klettern am „Schleier“ bedeutet auch mehr als „nur klettern“ – die Community trifft sich, verbringt den Tag in - vom Fels baumelnden - Hängematten. Man kennt sich – ab und zu kommen Wanderer vorbei und genießen den Ausblick. Dazu kommt der Wasserfall an sich, der ein besonderer – mache sagen „Kraft- Platz“ - ist.

Schritt 3: Die erste Mehrseillängen-Tour

2020-06-17 Sonneck Sonnenpfeiler-014-_DSC3425-full_hochzwei (2)
Ich liebe die Natur, die Aussicht und mich selbst herauszufordern. Deswegen ist mein Ziel ganz klar das Thema Mehrseillängen-Tour. Hoch auf einen der mehr als 40 Gipfel des „Koasa“. Oben sitzen, das Panorama genießen und sich die (wirklich schwer verdiente) Brotzeit schmecken zu lassen.

Nun ist es am Willden Kaiser allerdings so, dass das Klettertouren immer mit einem Zustieg von mindesten 1,5 Stunden verbunden sind. Sprich: Man muss sich, die Ausrüstung, und gerade erwähnte Jause erst mal ein gutes Stück durch die Landschaft schleppen, bevor das Thema Klettern überhaupt anfängt. Das ist sicherlich für viele ein Hindernis und man sollte daher die eigene Fitness gut einschätzen können.

Meine erste Tour am Kaiser habe ich - ebenso wie meine ersten Versuche in der Halle - unter der Leitung von Guido absolviert. Gemeinsam mit fünf anderen Mädels, sind wir in zwei 3er-Seilschaften erst hoch zum Ellmauer Tor gewandert um dann dort in eine der einfacheren Mehrseillängen Touren einzusteigen. In fünf Seillängen ging es hoch auf den Gipfel der Vorderen Goinger Halt.

Und wieder ist das Klettern ähnlich, aber doch anders. Anders ist zum Beispiel, an einem Seil mit den Anderen zu hängen, und sich in der Geschwindigkeit in der man nachsteigt mit seinem Partner abstimmen zu müssen. (Jedenfalls, wenn man sich in einer 3er-Seilschaft bewegt.)
2020-06-17 Sonneck Sonnenpfeiler-014-_DSC3425-full_hochzwei (2)
Anders ist auch, dass man - je nach Geälnde – den/die VorsteigerIn oft nicht sieht (und je nach Wind auch oft nicht hört), und damit das Sichern und die Kummunikation weitaus mehr Gefühl erfordert, als in der Halle. Im Vorstieg zeigt sich bald, dass das Finden der Route und des nächsten Hakens (sofern vorhanden) auch ein Teil der Aufgabe und Herausforderung ist. Aber auch das macht das Erlebnis aus.

Für mich war jener Moment am eindrucksvollsten, als ich merke, dass ich den Boden nicht mehr sehe – sich mir aber ein atemberaubendes Panorama rund herum bietet. Und so sehr ich beim Zustieg geflucht habe, das ist spätestens jetzt alles vergessen. Wir sind alleine, um uns rum nur Kaiser und Wolken.

Oben am Gipfel dann dieses Gefühl von Stolz und Adrenalin – gepaart mit Hunger und der Befriedigung, die Herausforderung geschafft zu haben. Auch jetzt noch, mehr als ein Jahr später, während ich darüber schreibe, habe ich Gänsehaut vor Begeisterung.

Schritt 4: Runter vom Berg...

abseilen
Bei unserer ersten Tour steigen wir über einen schwarzen, also schwierigen, Bergweg, der Trittsicherheit erfordert, ab. Da wir vor dem Einstieg in die Klettertour alles „Überflüssige“ versteckt haben, habe ich meine Wander-Stöcke nicht mehr bei mir. Und da ich nicht die Trittsicherste bin, ist das für mich wirklich noch mal anstrengend und herausfordernd.

Bei anderen Gipfeln hingegen führt gar kein „Normalweg“ zurück ins Tal – dort bleibt einem nur die Möglichkeit, abzuseilen. Auch das ist für viele – vor allem beim ersten Mal – eine echte Herausforderung, hängt man doch mit ziemlich viel Luft unterm Hintern zig Meter über dem Boden. Ob zu Fuß oder am Seil, das gilt für jede Bergtour: Geschafft ist sie erst, wenn man wieder unten im Tal ist, daher muss Kondition und Konzentration bis dahin ausreichen.

Sich über all die zusätzlichen Herausforderungen im Klaren zu sein, die persönliche Leistungsfähigkeit ehrlich und realistisch einzuschätzen, alpine Gefahren zu kennen und zu bewerten sind also absolute Grundvoraussetzung für jede Mehrseillängen-Tour. Dazu kommt natürlich eine sorgfältige und genaue Tourenplanung – das beginnt beim Wetterbericht, geht über Kartenmaterial, Literatur und Topo zur geplanten Tour bis hin zu benötigtem Material und der Frage, ob man selbst und natürlich auch der/die SeilpartnerIn dem Vorhaben gewachsen ist.

Schritt 5: Das Resümee

Am Wilden Kaiser wird seit jeher Klettergeschichte geschrieben. Zu Recht! Hier gibt es wirklich für jedes Können und jede Leidenschaft eine passende Klettermöglichkeit. (Alle Infos dazu findet ihr hier.) Wichtig ist, sich selbst und die eigene Fitness richtig einzuschätzen, und sowohl Zustieg, als auch den Abstieg in die Tour mit einzuplanen.

Außerdem sollte man bedenken, dass die Schwierigkeitsgrade am Fels oft unterschiedlich zu denen in der Halle sind, und speziell am Kaiser oft unterschätzt werden. Wer also noch nie am Fels geklettert ist, sollte seinen ersten Versuche unbedingt unter Anleitung eines professionellen Guides, starten. Dafür gibt es auch Kurse bzw. Angebote in unserem Aktivprorgamm. Und damit die erste Mehrseillängen-Tour nicht zum lebensgefährlichen Unterfangen, sondern zum sicheren Genuss wird: Unbedingt mit einem unserer erfahrenen Bergführer.

Hier findet ihr jede Menge Informationen zum Thema "SICHER Klettern" - Pflichtlektüre für alle, die am Berg unterwegs sein wollen.

Wenn man das alles beachtet – ist Klettern am Fels wie eine frische, heiße, knusprige Pizza vom Lieblingsitaliener um die Ecke: Einfach das Beste, das es gibt.

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