Maximilian Seidl

von Maximilian Seidl

Max ist seit Jahren begeisterter Mountainbiker und viel auf den Trails rund um den Wilden Kaiser unterwegs. Als Redakteur fĂŒr das World of MTB Magazin ist er voll in der Materie Bike verwurzelt.

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Die Kaiserradrunde

von Maximilian Seidl -

In 83 Kilometern um das Kaisergebirge

Die Kaiserradrunde ist fĂŒr ambitionierte Biker und E-Biker eine ideale Tagestour. Als Zwei- oder Dreitagestour weiß die Strecke rund um den Wilden Kaiser und seinen zahmen Bruder auch Genussradler und Familien zu begeistern.

Facts zur Kaisrradrunde

  • 83 Kilometer, 700 Höhenmeter
  • Einstieg an jedem Ort der Route möglich
  • Mit E-Bike bzw. guter Kondition an einem Tag machbar
  • Normale Akkus reichen fĂŒr die gesamte Strecke
  • Route durchgehend mit eigenem Logo gekennzeichnet
  • Viele Gastronomiebetriebe entlang der Strecke

1. Etappe: Kufstein - Kirchdorf in Tirol

Drei Tage nehmen wir uns Zeit, um von Kufstein aus das Tiroler Kaisergebirge zu umrunden: Die markanten GebirgszĂŒge werden die spektakulĂ€ren Statisten unserer 83 Kilometer langen und 700 Höhenmeter zĂ€hlenden Tour sein.

Eintauchen in lÀngst vergangene Zeiten

Das Durchfahren der Altstadt auf der Römerhofgasse ist wie ein Eintauchen in lĂ€ngst vergangene Tage. Einen Besuch der mittelalterlichen Festung, des Wahrzeichens Kufsteins, lassen wir uns natĂŒrlich nicht entgehen. Bereits in der Römerzeit stand Kufstein an einem strategisch wichtigen Ort an der alten römischen MilitĂ€rstraße im Inntal. Die Festung wurde im Jahre 1205 erstmals urkundlich erwĂ€hnt und war Schauplatz zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen.

Nach dem Sightseeing geht es fĂŒr uns los mit der eigentlichen Radtour. Immer am Inn entlang, rollen wir stadtauswĂ€rts auf dem Radweg in Richtung Ebbs. Bereits nach kurzer Fahrt wechselt die Kulisse. Der Weg fĂŒhrt durch Wald, um nach wenigen Kilometern ĂŒber offene Wiesen und Weidelandschaft zu verlaufen. Die Sonne zaubert idyllische Farbspiele, die Herbstluft duftet erdig und wĂŒrzig.

Den Boden wieder schmecken lernen

Bereits aus einiger Entfernung kĂŒndigt sich die erste SehenswĂŒrdigkeit an. Gezwitscher und tierische GerĂ€usche verraten: Am RaritĂ€tenzoo Ebbs fĂŒhrt vor allem fĂŒr Tierliebhaber und Kinder kein Weg vorbei. 70 Tierarten aus aller Welt lassen sich hier bestaunen. In der kleinen Ortschaft Sebi, drei Kilometer weiter in Richtung der bayerischen Grenze, folgt eine besondere Empfehlung kulinarischer Art. Beim Eintreten in den Laden der KĂ€serei Plangger tauchen wir sofort in wĂŒrzigen, geschmackvollen Duft. Im kĂ€sereieigenen Felsenkeller reifen die Laibe von Biopionier Plangger, dessen Credo „den Boden wieder schmecken lernen“ wirklich funktioniert.

Im weiteren Verlauf wechselt die Route immer wieder von Waldauf offene Wiesenlandschaften.
Auf diesem Abschnitt ist der erste und steilste Anstieg dieser Runde zu bewĂ€ltigen. Das etwa fĂŒnf Kilometer entfernte Naturjuwel „Schwemm“ ist unser nĂ€chster Zwischenstopp. Nordtirols grĂ¶ĂŸte Moorlandschaft ist durch die Verlandung eines Sees entstanden und hat als CO2-Speicher einen hohen ökologischen Stellenwert.

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Die "Schwemm", Tirols grĂ¶ĂŸte Moorlandschaft © WOM Medien GmbH Stefan Schopf

C'est la vie!

Von hier geht es nun meist flach weiter zum nahe gelegenen Walchsee, der bei sommerlichen Temperaturen zu einem erfrischenden Bad einlĂ€dt. Entspannt fahren wir dann durch offene Kulturlandschaft, WaldstĂŒcke und kleine Ortschaften ins rund acht Kilometer entfernte Kössen. Die einladende Gemeinde in der Region Kaiserwinkel bietet eine Vielzahl an Übernachtungsmöglichkeiten. Eingebettet zwischen den AuslĂ€ufern der Chiemgauer Alpen und dem prĂ€gnanten Kaisermassiv, genießen wir hier einen lauen Herbstabend bei einem GlĂ€schen Wein. Den nĂ€chsten Tag starten wir am Uferweg der Großache entlang. Die am Pass Thurn entspringende Ache schlĂ€ngelt sich ungefĂ€hr 80 Kilometer durch Tirol, bis sie letztlich im Chiemsee mĂŒndet. Nach gut 15 Kilometer Fahrt zeichnet sich an der BrĂŒcke zur Einfahrt nach Kirchdorf schließlich die Silhouette der idyllisch gelegenen Achenkapelle ab.

2. Etappe: Kirchdorf in Tirol - Ellmau

Wir sind froh, gut gefrĂŒhstĂŒckt zu haben. Denn nur fĂŒnf Kilometer weiter entlang der Ache machen wir einen Abstecher zu Aggstein EdelbrĂ€nde.

Edles und Hochprozentiges

Seit 1825 brennt die Familie von Ursula Aggstein, genannt „Bischten Usch“, Schnaps. Von A wie Amygdalin – die in Obstkernen enthaltene Substanz verursacht den Bitterton bzw. die Marzipannote in BrĂ€nden – bis V wie Vorlauf – diese Substanz riecht nach Nagellackentferner und verleiht dem Schnaps eine unerwĂŒnschte SchĂ€rfe – erfahren wir hier außerdem alles Wissenswerte rund um BrĂ€nde, Liköre und Co. Im traditionell gehaltenen Ortszentrum von St. Johann mit idyllischer FußgĂ€ngerzone verdauen wir im Anschluss daran unsere Schnapsverkostung. Besonders beeindruckend ist die große, namensgebende Barockkirche St. Johann mit ihren DeckengemĂ€lden im Innern.

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Schaubrennerei "Aggstein EdelbrÀnde" © WOM Medien GmbH Stefan Schopf

Der allseits beliebte "Koasa"

OrtsauswĂ€rts Richtung Westen geht es nun zurĂŒck in die lĂ€ndliche Schönheit der Tiroler Landschaft. Vor uns tut sich nun der als Niederkaiser bezeichnete Teil des Kaisergebirges mit dem 1.280 Meter ĂŒ. M. hohen Gscheuerkopf im Vordergrund auf. Der „Koasa“, wie er von den Einheimischen genannt wird, ist ein beliebtes Ziel fĂŒr Wanderer, Bergsteiger und Kletterer: felsig, steil, bergsteigerisch und klettertechnisch herausfordernd. Silbern glĂ€nzt sein vornehmer Wettersteinkalk in der goldenen Herbstsonne.
Auf dem weiteren Weg in Richtung Going legen wir eine kleine Wanderrunde inmitten der „Moor & More“ Erlebniswelt ein. Die renaturierte Moorlandschaft im Naturschutzgebiet Ramsar verbindet auf unterhaltsame Weise das Erleben unberĂŒhrter Natur mit spannenden Informationen. Von dort fĂŒhrt der Weg nun wieder bergab nach Going. Der Ausblick auf einen der schönsten Badeseen Tirols, den Goinger Badesee, lĂ€sst unser Herz hĂŒpfen. Hier nehmen wir noch eine willkommene Erfrischung fĂŒr die letzten vier Kilometer Fahrt bis nach Ellmau. Dort werden wir den Abend beschließen und die Nacht in typisch Tiroler Gastlichkeit verbringen.

3. Etappe: Ellmau - Kufstein

Die besonders schöne Naturkulisse machte die Kaiserorte weit ĂŒber die Tiroler Grenzen hinaus bekannt – z.B. als die Heimat des Bergdoktors der gleichnamigen Fernsehserie und anderer Filmproduktionen.

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Bergdoktorpraxis in Ellmau © WOM Medien GmbH Stefan Schopf

Kitsch as Kitsch can!

Von hier fĂŒhrt der Radweg meist abfallend weiter an Scheffau und Söll vorbei ĂŒber Stockach nach Egerbach, rund 15 Kilometer mit der fĂŒr die Region typischen Wiesenlandschaft. Ein ganz besonders schönes und lohnenswertes Ausflugsziel stellt der Hintersteiner See dar. Er liegt ein klein wenig abseits des eigentlichen Radwegs, doch mit unseren E-Bikes sind die fĂŒnf Kilometer Umweg kein Problem. Der kristallklare Bergsee liegt auf 882 Meter ĂŒ. M. und wird von unterirdischen Quellen gefĂŒllt.

Bike & Hike-Ambitionen

Wir fahren weiter. Von Egerbach sind es nur noch gut fĂŒnf Kilometer bis nach Kufstein, unseren Ausgangsort. Beim Verlassen des Waldes öffnet sich auch schon der noch grĂŒne, aber schon urbane Raum Kufsteins. Am Inn entlang rollen wir zurĂŒck in die Innenstadt und genießen einen letzten Cappuccino.
FĂŒr unseren nĂ€chsten Besuch haben wir uns fest vorgenommen, auch die Wanderschuhe einzupacken und eine der vielen Wanderrouten auf einen Gipfel des Kaisergebirges zu unternehmen. Denn der Blick auf die schroffen Felsen hat bei uns nicht nur fĂŒr Entspannung gesorgt, sondern auch Lust auf mehr gemacht.

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Der neue Eiberg-Radweg zwischen Söll und Kufstein © Andreas Meyer

Was wird benötigt?

  • Fahrradhelm
  • Bequeme, dem Wetter angepasste Radbekleidung
  • Wechselkleidung
  • Sonnenschutz
  • Wind-/Regenschutz
  • Radhandschuhe
  • ev. Rucksack mit Trinkflasche und Verpflegung
  • Erste-Hilfe-AusrĂŒstung
  • ev. Service-/Reparaturkit
  • Radkarte
  • Tourenbeschreibung und Informationsmaterial (GPX-Track)
  • Ausweis, Versicherungskarte, Bargeld

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