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Die Urkräfte der Natur. Die Goinger Ursaat

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Auf der Sonnenseite von Going, am Fuße des Wilden Kaisers, heißt es, sind die Urkräfte der Natur besonders stark.

„Do heroben is’ scho a gonz a besonderes Platzerl“, sagt er, der Biobauer Franz Wallner und auch, dass das mit der Urkraft schon seine Bedeutung hat.

Eigentlich ist es ja ganz einfach: Mit der Entstehung unserer Erde wurde plötzlich jede Menge Energie frei – Urkraft, wenn man so will. Und die, die dauert bis heute an. „In jeder Pflanze, in jedem Grashalm und in jedem Tier, überall is’ die Urkraft drin. Und des spürt man auch“, ist der Franz überzeugt. Schon als Kind hatte er die Fähigkeit, besondere Plätze zu spüren, auf denen gebaut oder gesät werden sollte. Auch mit dem Wasser kennt er sich aus und hat seine hofeigene Quelle biologisch aktiviert. Laut dürfte man das allerdings nicht sagen, da würde man gleich als Spinner abgestempelt. Aber irgendeinen Grund muss es wohl haben, dass rund um den 600 Jahre alten Bio-Hof alles bestens blüht und gedeiht.

©defrancesco-rolart-images_ursaat-170

Der Franz war schon immer etwas anders als die anderen. Vielleicht auch wegen der Umstände. Bereits mit 18 musste er nach einem tragischen Unglück den Hof seines Vaters übernehmen. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Zeit, die Franz genützt hat, seinen konventionellen Bauernhof in einen Bio-Hof mit Rinderzucht, Milchund Waldwirtschaft sowie Ackerbau zu verwandeln. À la Selbstversorger, wenn man so will, denn am Blaikenhof werden unter anderem auch Erdäpfel, Getreide und Kräuter angebaut. So war es kein Zufall, dass vor einigen Jahren das Projekt Goinger Ursaat an diesem Ort entstand.

"Alles ist mit allem verbunden. Die Goinger Urkraft ist ein Teil des Ganzen. Gewachsen aus der Kraft der Natur." Franz Wallner

In Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband Going und der Kräuterexpertin Cornelia Miedler wurden sieben Samen aus dem Bestand der Bio Austria Saatgut und der Arche Noah ausgewählt. „Die waren ganz schön knausrig, da hab’ i grade mal 500 Gramm bekommen“, lacht Franz. Beides sind Vereinigungen, die sich dem Erhalt rarer Gemüse-, Obst- und Getreidesorten verschrieben haben und diese wie einen Schatz bewahren. Franz und seine Frau Luise haben diesem Schatz wieder Leben eingehaucht und bauen auf Kleinstfeldern – jedes nur so groß wie ein mittelgroßes Zimmer – Phacelia, Ringelblume, Mais, Sonnenblume, Schwarzhafer, Urweizen und Schlangenknoblauch an. Die Wahl fiel dabei nicht zufällig auf die zum Teil exotisch klingenden Sorten. Jede hat ihre eigene, ganz besondere Wirkung – ob als Tee, Heilblume, Getreide oder Bienenweide.

Im Zeichen des Mondes

In mühevoller Handarbeit wird gejätet und geerntet. „Hier muss man auf den richtigen Zeitpunkt schauen. Die Samen dürfen nicht zu reif sein, sonst fallen sie gleich aus der Blüte. Jede Pflanze hat ihre eigene Zeit. Die erste Ernte beginnt bereits zur Egascht, zur ersten Mahd im Juli. Der Mond spielt auch eine große Rolle und natürlich das Wetter.“ Luise Wallner ist die perfekte Ergänzung zu ihrem Mann. Auch die Pädagogin beschäftigt sich mit dem weiten Feld der Urkraft. „Früher habe ich alles genau ausgependelt. Heute spüre ich einfach, welches Getreide wo angebaut werden soll.“ Die Wallners betreiben FruchtfolgeWirtschaft. Das bedeutet, dass jedes Jahr eine andere Sorte am Feld
angebaut wird. Diese Methode steht ganz im Gegensatz zur Monokultur und sorgt für ideale Wachstumsbedingungen und Bodenfruchtbarkeit.

Ein Stück Urkraft geht auf Reisen

Die Idee hinter der Goinger Ursaat war es, ein Stück Urkraft in die Welt zu schicken. Die Samen werden geerntet, getrocknet und in der Lebenshilfe in Oberndorf liebevoll verpackt – bereit, um Kraft und Energie zu verbreiten. Denn das Besondere an diesen Samen ist, dass sie sich vermehren. Eine seltene Angelegenheit in der heutigen Zeit. Säht man sie, entsteht die Frucht, die abgeerntet wird, um die Samen im nächsten Jahr erneut gedeihen zu lassen. Ein Weitergeben der Energie, der Kraft der Natur. Aus Liebe zur Heimat, ein Stück Going für die Welt.

Die Ringelblume – Wetterprophet und Wunderheilerin

Schon in der Antike war die Ringelblume wegen ihrer heilsamen Kräfte bekannt und geschätzt. Auch Hildegard von Bingen war von der „Ringella“ ganz angetan – wirkt sie doch antibakteriell, blutreinigend, krampf­lösend und verdauungsfördernd. In manchen Regionen wurde die orange farbige Blume sogar als Wetterorakel eingesetzt. War die Blüte morgens vorschlossen, so galt dies als Zeichen für aufziehenden Regen. Heute wird sie in der Naturmedizin vorwiegend für Salben und Tees benutzt. Dafür übergießt man 2 TL getrocknete Blüten mit heißem Wasser, lässt diese 10 Minuten ziehen und seiht sie ab. Davon mehrere Tassen täglich getrunken, wirkt die Ringelblume entspannend auf Magen und Darm.

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