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Unser Dorf hat einen etwas englisch klingenden Ortsnamen. Dieser hat nichts mit dem englischen Verb „go“ oder „going“ zu tun. Um die Herkunft des Namens zu ergründen, muss man weit in die Geschichte des Leukentals, so wird das Tal zwischen Wörgl und St. Johann genannt, zurückgehen.
Die ersten Spuren menschlicher Besiedelung wurden in der Bärenhöhle bei Ebbs gefunden. Es handelte sich dabei um mehrere Knochenpfeilspitzen aus dem frühen Aurignacien (40.000 – 20.000 v. Chr.). Im 7./8. Jhdt. v. Chr. haben in unserer Gegend Kelten, im Besonderen der Stamm der Räter, gesiedelt. Auf dieses Volk weisen viele Orts- und Flurnamen, wie z. B. der des Ortsteils Prama, hin. Etwa 15 v. Chr. wurde das Gebiet nördlich der Alpen von den Römern erobert und zu Provinz Noricum gemacht. Die Römer und die Kelten lebten dann friedlich nebeneinander. Im Laufe der Völkerwanderung (4. – 6. Jhdt.) zog sich die römisch/keltische Oberschicht über die Alpen nach Italien zurück. Ab diesem Zeitpunkt drangen die Bajuwaren, ein germanischer Stamm, in unser Gebiet ein. Aus dieser Besiedelungszeit sind keine schriftlichen Aufzeichnungen erhalten. Man muss also annehmen, dass die Gründung unseres Dorfes in diese Zeit fällt.
Ein Hinweis dafür, dass Going auf die Bajuwarengründung zurückführt, ist z. B. die Endung –ing in unserem Ortsnamen. Der Gründer unseres Dorfes war letztendlich ein Bajuwarenfürst der Gauwo oder Guovo, welches die Kurzform des Namens Witigouwo aus der gotischen Heldensage ist. Also kann man sagen, dass Going eine Siedlung der Gauwo-Sippe ist. Die erste erhaltene Urkunde, die mit Siedlungen im Leukental zusammenhängt, ist eine Stiftungsurkunde des Klosters Rott bei Rosenheim. In dieser stiftet ein bayrischer Graf das ganze „Liuchental“ dem Kloster. Genannt werden dort Wiesenschwang, Stegen, Grießau, Prantau und Barne, welches wohl mit dem heutigem Barm bei Kitzbühel zu identifizieren ist. Aus diesem Grunde kann man sagen, dass Going mit Sicherheit älter ist als seine erste urkundliche Erwähnung.
Die Ersterwähnung unseres Ortes ist im Schenkungsbuch des Klosters Baumberg nördlich des Chiemsees in Bayern zu finden. In diesem Buch wird 1160 ein Pilgrim de Gowingen als Zeuge einer Stiftung erwähnt. Das Kloster Baumberg hatte in dieser Gegend ziemlich großen Grundbesitz.
Im Laufe der Zeit wurde aus Gowingen, Gagingen und Gaying. Im 15. Jhdt. liest man Gaygen, Gaigen, Gaying. In einem Urbar (= ein Besitzverzeichnis) der Herzöge von Bayern in Going 1280 als Gagingen erwähnt. Es werden zwei Bauernhöfe genannt, die zinspflichtig waren. Es war dies der Hof auf dem „Notenperch“ und „Holernau“. Nottenberg musste 3 Saum Wein als Abgabe liefern, Holernau war eine Schweige (=ein Bauernhof mit reiner Milch- und Viehwirtschaft) und musste am Hof erzeugte Produkte – also Milch, Käse und Fleisch, verzinsen. Die Weinlieferung ist kein Beweis für den Weinbau hier in dieser Zeit, sondern war ein Saumdienst der zinspflichtigen Bauern.
Am Ende des 14. Jhdt. mehren sich die schriftlichen Nachrichten über unser Dorf. 1397 verzichtet Hans von Goldegg (aus dem Pinzgauer Adelsgeschlecht Goldegg), auf seine Rechte auf dem „Schederergut zu Gaing“. Er übergibt das Gut dem Lienhart Graswein zu „Chitzpuhl“ (= Kitzbühel). Graswein stiftet 1398 eine ewige Christmette in der Andreaskirche zu Kitzbühel, mit dem Zusatz, wenn die Kirche in Going geweiht wird, soll diese eine jährliche Gülte (= Geldgabe) beziehen.
1416 wird Going im Kitzbüheler Salbuch (= Güterverzeichnis des Landesherren) der Herzöge von Bayern als „Gaygen“ bezeichnet. Im Kitzbüheler Landsteuerbuch von 1464 wird Going dann als „Gaing“ genannt.
In einem Kataster aus dem Jahre 1627 sind im „Gaigner Werchat“ bereits 36 Familien ansässig. Im Theresianischen Kataster von 1775 wird Going erstmals mit dem heutigen Namen bezeichnet. In diesem sind in Going und im Hüttlinger Werchat schon 142 Häuser erwähnt. 1830 gibt es ein neues Gemeindegesetz. Dieses ist die Grundlage der Zusammenlegung der Goinger und Hüttlinger Gebiete und der Neuorganisation der politischen Gemeinden.
Zum Schluss vielleicht noch etwas über die alten Grundherrschaften in unserem Dorf. Bis zur Aufhebung der Grundherrschaft war der meiste Besitz in der Gemeinde von den Grundherren abhängig. Diese Abhängigkeit wurde seit dem späten Mittelalter mit einem Geldbetrag, der Gülte, abgegolten. Davor waren es Naturalien oder Dienstleistungen. Der überwiegende Teil der Besitztümer war den Landesfürsten, den Herzögen von Bayern, zinspflichtig. 1504 übernahmen nach dem bayerisch-österreichischen Erbfolgekrieg die Grafen von Tirol aus dem Hause Habsburg die Grundherrschaft in den Bezirken Kitzbühel, Kufstein und Rattenberg. Ebenso hatten Klöster und Ortskirchen Besitz in den Gemeinden, welche durch Schenkungen und Stiftungen ihre Besitzungen erhalten haben. Adelsgeschlechter hatten wenig Besitz in den Gemeinden. Noch seltener war das freie Eigentum von Bauern. Die Besitzverhältnisse sind heute ganz anders und spiegeln die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung unseres Dorfes wider.
Derzeit hat Going ca. 1.700 Einwohner und 2.600 Gästebetten.
1TLA 2649, Codex 2649, 2 Monumenta Boica, Band III, München 1764, Seite 82, 3 Monumenta Boica, IIIVI/1 Seite 224 |