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Chronik Ellmau

Ellmau Dorf im Jahr 1903
Ellmau Dorf im Jahr 1903
Erste schriftliche Erwähnung des Ortes Ellmau

Historiker gehen davon aus, dass das besiedelte Land grundsätzlich dem Führer des Stammes, dem Herzog, gehörte, der es an Adelige und Freie, an Kirchen und Klöster, je nach ihrer Rangordnung und den herzoglichen Diensten vergab. So entstanden weltliche und geistliche Grundherrschaften, die bis ins 19. Jahrhundert einen wesentlichen Bestandteil unserer Gesellschaft bildeten. Die Grundherren bewirtschafteten ihre Güter nicht selbst, sondern entlehnten (Lehen) sie gegen Abgaben vom Ertrag (Zehent) an Bauleute (Bauern).
 
Um die Siedlungen besser verwalten zu können, teilten die bayrischen Machthaber die Gebiete in Grafschaften. Der heutige Bezirk Kufstein war die "Landgrafschaft im Indale". Die reichbegüterte Sippe der Rapotonen übte um die Jahrtausendwende die Grafschaftsgewalt im Inntale aus.
Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes Ellmau finden wir in einer Urkunde des Klosters Herrenchiemsee um das Jahr 1155. Darin übergibt Sigboto von Steteheim, Ministerialer des Markgrafen Engelbert von Istrien, sein Gut "in Elmouwe situm in loco Horngahe" (= in Ellmau gelegen in der Ortschaft Horngach) mitsamt dem Leibeigenen Bezimann und dessen Sohn, wie dessen Bruder Heinrich und seine Söhne an das Stift Chiemsee.
Pfarrkirche St. Michael
Pfarrkirche St. Michael
Kirche St. Michael

Der Patron der Ellmauer Kirche ist der hl. Michael, der "Seelenführer". Dies berechtigt uns zur Annahme, dass ursprünglich in Ellmau ein Friedhof mit einer Friedhofskapelle errichtet worden war.
1436 berichtet eine Urkunde von einer gotischen Kirche mit einem Hochaltar und zwei Seitenaltären. Diese Kirche war viel kleiner, mit einer Vorhalle versehen und von Osten nach Westen gebaut.
Als die Kirche im 18. Jahrhundert für die stark angewachsene Bevölkerung zu klein geworden war, entschloss man sich 1740 unter Vikar Simon Stainer zu einem Neubau. Der Schwazer Baumeister Jakob Singer wurde mit dem Bau beauftragt. Am 21. August 1746 wurde die Kirche durch Bischof Karl von Chiemsee eingeweiht.
Anna Kapelle
Anna Kapelle
Kapellen

Die St.-Anna-Kapelle wird schon Anfang des 16. Jahrhunderts urkundlich erwähnt. In ihr wurden Gottesdienste gehalten und daneben diente sie auch als Karner. Beim Neubau der Kirche wurde 1743 auch die Annakapelle neu errichtet und mit einem Barockaltar ausgestattet. Das Altarbild von Christoph Anton Mayr aus Schwaz (1747) stellt Maria und ihre Mutter Anna mit dem Jesuskind dar. Die Altarnebenfiguren stellen die heiligen Josef und Joachim dar. Am Triumphbogen stehen ein Schutzengel und der Gute Hirte, barocke Schnitzfiguren um 1750. Das Fresko der Seelenkapelle an der Westseite der Friedhofmauer soll uns das "Jüngste Gericht" veranschaulichen. In einem durch ein Eisengitter verschlossenen Gewölbe werden Totenschädel aufbewahrt. Nach altem Brauch mit Namen, Sterbetag und einem grünen Kranz bemalt, halten sie das Andenken an die Verewigten pietätvoll lebendig.
Maria Heimsuchungskapelle
Maria Heimsuchungskapelle
Die Maria Heimsuchungskapelle wurde 1719 von Postmeister Johann Kaisermann errichtet und 1726 von Bischof Karl Josef von Chiemsee geweiht. Die Kapelle enthält einen Barockaltar mit dem Altarblatt "Maria Heimsuchung", das 1831 von Alois Wagner aus Hall gemalt wurde, daneben stehen die Statuen der Viehpatrone Leonhard und Silvester. Auf dem Altar befindet sich ein schönes Marienbildnis, eine Kopie der Maria-Hilf-Madonna von Lucas Cranach in einem reich geschnitzten Rahmen. Das Gewölbe zieren Bilder aus dem freudenreichen Rosenkranz.
Nordwestlich des Dorfes an der Bundesstraße steht eine kleine Kapelle, die ?Pestkapelle?. Ein Holztafelgemälde zeigt die Heilige Dreifaltigkeit und Maria, deren Mantel zwei Engel schützend über das Dörfchen Ellmau halten. Eine kaum leserliche Inschrift berichtet: "Diese Kapelle errichteten in Dankbarkeit die Verschonten der Pest 1750".
Maibaum
Maibaum
Brauchtum

An Bräuchen ist aus Ellmau das Anklöpfeln in der Adventzeit, das Singen am Dreikönigstag, das Maibaumaufsetzen und die Alperer-Abfahrt überliefert. Nach einer Vikariatsbeschreibung waren die Anklöpfler Kinder und arme Leute, die an den Donnerstagen im Advent zur Erinnerung an die Herbergssuche vor den Haustüren beteten oder sangen und dafür Almosen erhielten. Das Sternsingen in der Weihnachtszeit wird in neuer Zeit hauptsächlich von den Ministranten als Sammlung für die Mission durchgeführt. Der Brauch des Maibaumaufstellens wird heute meistens von der Landjugend ausgeführt.
Dem Brauch der Alperer Abfahrt lag die Sage zugrunde, dass sich nach dem Almabtrieb in den verlassenen Almhütten der Alperer, das war der Satan, einquartierte, der Anfang November mit seinen Gefährten wieder zu Tale fuhr. Er machte dabei ein heftiges Getöse, das Wilde Geschrei genannt. Die männlichen Dorfbewohner, vor allem junge Burschen, versammelten sich zur Alperer-Abfahrt am Vorabend von Martini oder auch an Martini selbst mit Kuhglocken und großen Peitschen und zogen unter Läuten, Schnalzen, Schreien und Lärmen, als wenn eine Viehherde käme, in ein Wirtshaus in der Gemeinde. Es kam dabei auch zu Raufereien. Heute gibt es diesen Brauch nicht mehr. Dafür wird noch immer auf eine Almabfahrt, bei der das Almvieh geschmückt wird, Wert gelegt.
Am Vorabend der Hochzeit wurde im Haus der Braut oder auch im Wirtshaus der Brauttanz gehalten. Die Trauung fand gewöhnlich um zehn Uhr vormittags statt mit Hochamt und eventuell auch Beimesse. Der Priester holte die Brautleute zur Trauung vom Wirtshaus ab und geleitete sie nach der Zeremonie wieder dorthin zurück. Am Ende der Feier wurde der Johannissegen erteilt. Der Priester reichte den Brautleuten, den Trauzeugen und der Brautmutter, dem Hochzeitslader und den übrigen Hochzeitsgästen diesen Segen in Gestalt von geweihtem Wein. Einen Ring bekam nur die Braut.
Hotel Post im Jahr 1914
Hotel Post im Jahr 1914
Der Fremdenverkehr

Ellmau liegt an der Hauptstraße von Innsbruck nach Salzburg und Wien und hatte dementsprechend einen recht bedeutenden Durchgangsverkehr. Die Chronik erzählt von herrschaftlichen Reisenden, wie die französische Kaiserin Maria Luise von Habsburg, von der russischen Kaiserin, von Kaiser Franz I., vom König der Preußen und Alexander I. von Russland.
Der aufstrebende Alpinismus spielte um die Jahrhundertwende für den Fremdenverkehr eine bedeutende Rolle. Ein bekannter Bergführer des Ortes, der zahlreiche Erstbesteigungen im Kaiser ausführte, war Johann Schlechter, genannt "Mallhansl". 1869 erstieg er Mit Carl Hofmann die Ellmauer Halt. 1899 errichtete die Akademische Sektion des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins Berlin die Gaudeamushütte im Kübelkar. Ein Jahr danach baute das Turner Alpenkränzchen München die Gruttenhütte. Die Gaudeamushütte wurde 1924 durch eine Lawine zerstört. 1927 baute man sie an lawinensicherem Ort wieder auf.
In der Zwischenkriegszeit entwickelte sich der Fremdenverkehr bis zur 1000 Marksperre zufrieden stellend. Die Familie Leitner von der Jausenstation Au errichtete 1928 das erste Schwimmbad. Der aufkommende Autoverkehr verbesserte das Straßengeschäft, so dass die Wirte eine Verlegung der Straße außerhalb des Dorfes ablehnten. Erst 1942 wurde die Ortsumfahrung fertig gestellt.
1950 wurde zur Förderung des Tourismus ein Verkehrsverein gegründet. Man plante Ortsverschönerung, Ruhebänke, Ortstafeln, und Wegweiser. Zur Belebung der Wintersaison wurde 1951 ein Sessellift auf der Postbauernleiten errichtet. Als 1954 die "Hummelreise" Ellmau in ihr Programm aufnahm, stiegen die Nächtigungszahlen beträchtlich. Es begann auch eine schnelle Zunahme der Beherbergungsbetriebe. 1994 eröffneten Gemeinde und Tourimusverband das "KaiserBad" ein modernes Freizeitzentrum.
Einen weiteren Aufschwung des Winterreiseverkehrs brachte der Bau der Hartkaiserbahn 1972.
Die Liftgesellschaften Going, Ellmau, Scheffau, Brixen und Söll schlossen sich 1977 zu einem Schigroßraum zusammen, Hopfgarten, Itter und Westendorf folgten.
Mehr Informationen dazu
Geschichte des Wilden Kaisers
Chronik Going
Chronik Scheffau
Chronik Söll
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